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22. Juni 2018

Trans­for­ma­ti­on. Ohne Wenn und Aber.

Die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on aktiv zu gestal­ten, ist Chef­sa­che bei Win­ca­sa. Neben CEO Oli­ver Hof­mann küm­mert sich mit San­dro Princi­pe ein eige­ner Bereichs­lei­ter «Trans­for­ma­ti­on» um die Immo­bi­li­en­be­wirt­schaf­tung der Zukunft.

Mitt­ler­wei­le fin­det sich in jeder Orga­ni­sa­ti­on mitt­le­rer Grös­se eine Stel­le, die sich der «digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on» wid­men soll. Mei­stens im Stab. Für Win­ca­sa wäre eine sol­che Orga­ni­sa­ti­on der fal­sche Ansatz, fin­det CEO Oli­ver Hof­mann. Ein Struk­tur-Defi­zit, das sich ein Markt­füh­rer so nicht lei­sten kann, prä­zi­siert San­dro Princi­pe, Bereichs­lei­ter Trans­for­ma­ti­on. Ein Gespräch über den Auf­bruch ins Eldo­ra­do.

Herr Princi­pe, als Erstes fällt Ihr Titel auf. Bereichs­lei­ter Trans­for­ma­ti­on. Nicht Lei­ter Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on. Ein­fach ein ande­res Word­ing?
San­dro Princi­pe: Nein, ganz und gar nicht. Vol­le Absicht! Trans­for­ma­ti­on hat viel mehr Aspek­te als nur den digi­ta­len. Es ist in erster Linie ein kul­tu­rel­les Pro­jekt: Wir ver­än­dern die gesam­te Ablauf­or­ga­ni­sa­ti­on. Neben den Pro­zes­sen und Tools wol­len wir vor allem den Mind­set unse­rer Mit­ar­bei­ten­den «trans­for­mie­ren». Schliess­lich ist Trans­for­ma­ti­on nicht nur Selbst­zweck, son­dern soll uns als Orga­ni­sa­ti­on – bestehend aus den unter­schied­lich­sten Exper­ten – befä­hi­gen, fort­lau­fend neue Geschäfts­fel­der zu erschlies­sen. Dar­an wol­len wir uns auch mes­sen las­sen.

Oli­ver Hof­mann: Bis 2020 wol­len wir «Digi­tal Master» in unse­rer Bran­che sein. San­dro Princi­pes Bereich «Trans­for­ma­ti­on» ist auch ent­spre­chend dotiert. Etwa 40 Mit­ar­bei­ten­de sind dort tätig und in der Geschäfts­lei­tung ver­tre­ten. Wir set­zen damit ein deut­li­ches Zei­chen, dass unser Ziel ver­bind­lich ist und wir alles dafür tun, es zu errei­chen.

Was bedeu­tet die­ses Ziel «Digi­tal Master» nun ganz kon­kret?
Oli­ver Hof­mann: Kon­kret heisst dies, dass wir als füh­ren­der inte­gra­ler Immo­bi­li­en­dienst­lei­ster in der Schweiz auch die Vor­rei­ter­rol­le dar­in ein­neh­men, den Kun­den ins Zen­trum unse­res Tuns zu stel­len: Kun­den­nä­he, Ser­vice­ge­dan­ken, Dienst­lei­stungs­men­ta­li­tät und Touch­points, wie sie heu­te erwar­tet wer­den. Als Kun­den ver­ste­hen wir sowohl unse­re Lie­gen­schafts­ei­gen­tü­mer wie auch die Mie­ter. Eines der wich­tig­sten Ele­men­te für den Erfolg sind auch unse­re eige­nen Mit­ar­bei­ten­den, die tag­täg­lich unse­re Dienst­lei­stun­gen erbrin­gen. Im Grun­de ein Sta­ke­hol­der­an­satz.

San­dro Princi­pe: In einem ersten Schritt haben wir alle unse­re Pro­jek­te dar­auf­hin geprüft, ob sie auf die­ses Ziel zusteu­ern. Wenn nicht, haben wir sie schlicht und ein­fach been­det. Die frei wer­den­den Res­sour­cen haben wir auf die Auf­ga­ben kon­zen­triert, die uns für die Ziel­er­rei­chung wei­ter­brin­gen.

Der Bereich «Trans­for­ma­ti­on» beschäf­tigt sich mit der Ver­än­de­rung der gesam­ten Ablauf­or­ga­ni­sa­ti­on.

Stand denn der Kun­de bis­her nicht im Zen­trum?
Oli­ver Hof­mann: Vor 10 oder 15 Jah­ren war es in der Bran­che noch so, dass wir vom Eigen­tü­mer einen fixen Pro­zent­satz der Net­to­mie­te als Hono­rar beka­men. Heu­te öff­net sich unse­re Bran­che erst­mals rich­tig gegen­über den Kun­den und ihren Bedürf­nis­sen. Im Ver­gleich mit ande­ren Bran­chen haben wir aber nach wie vor Auf­hol­po­ten­zi­al.

San­dro Princi­pe: Hier kann ich sicher alles ein­brin­gen, was ich in mei­ner bis­he­ri­gen Lauf­bahn umset­zen durf­te. Bei mei­nen bei­den letz­ten Arbeit­ge­bern haben wir uns auch zuerst inten­siv mit den Kun­den­be­dürf­nis­sen aus­ein­an­der­ge­setzt und die­se ein­ge­hend ana­ly­siert. Danach sind wir auf die­se ein­ge­gan­gen und haben den Kun­den auf sie zuge­schnit­te­ne Lösun­gen und Ange­bo­te prä­sen­tiert.

Oli­ver Hof­mann: In mei­nen frü­he­ren Tätig­kei­ten in der Ban­ken­welt beweg­te ich mich auch in einer Bran­che, die in die­ser Bezie­hung viel wei­ter ist, als wir es heu­te bei den Immo­bi­li­en­dienst­lei­stun­gen sind. Kun­den­por­ta­le, wie wir sie heu­te in der Bran­che dis­ku­tie­ren, sind dort schon lan­ge Stan­dard.

San­dro Princi­pe: Ein gutes Bei­spiel, wie wir im Moment mit ande­ren Bran­chen gleich­zie­hen, sind unse­re Shop­ping­cen­ter-Apps. Der End­kun­de erfährt dar­in nicht nur alles Wich­ti­ge zu den Geschäf­ten, Lage­plä­nen oder Öff­nungs­zei­ten. Wer sich im Cen­ter bewegt, bekommt via iBe­a­cons, das sind klei­ne Blue­tooth­sen­der, auch gleich aktu­el­le Ange­bo­te und spe­zi­el­le Rabat­te. Je nach­dem, wo man sich gera­de auf­hält und wann. Das ist nicht nur eine ganz neue Nut­zer­er­fah­rung für den End­kon­su­men­ten, es ist auch ein gross­ar­ti­ges Ange­bot für unse­re Mie­ter und – für einen Anbie­ter unse­rer Grös­se beson­ders wich­tig – das Kon­zept lässt sich her­vor­ra­gend mul­ti­pli­zie­ren und ska­lie­ren.

Oli­ver Hof­mann: Ver­ges­sen wir nicht die vir­tu­ell begeh­ba­ren Miet­ob­jek­te. Zusam­men mit Mat­ter­port, dem füh­ren­den Inno­va­tor in die­sem Bereich, haben wir bereits den Nike Store im Sihl­ci­ty sowie zahl­rei­che Woh­nun­gen vir­tu­ell begeh­bar gemacht. Die­se Tech­no­lo­gie wird nun kon­se­quent und Schritt für Schritt in unser Tages­ge­schäft ein­flies­sen.

Eine ein­fa­che Auf­ga­be, zum Digi­tal Master zu wer­den?
San­dro Princi­pe: Nein, auf kei­nen Fall! Tech­no­lo­gisch gese­hen gibt es natür­lich zuerst mal eini­ge «low han­ging fruits» zu pflücken – inso­fern ist Win­ca­sa ein Eldo­ra­do für mich. Doch den wirk­lich wich­ti­gen Weg wer­den wir zusam­men mit unse­ren Mit­ar­bei­ten­den gehen. Hier­bei geht es nicht nur dar­um, die neu­en Tools ken­nen­zu­ler­nen. Es geht dar­um, dass sie sich Fähig­kei­ten aneig­nen, die in der heu­ti­gen Zeit und in Zukunft unab­ding­bar sind.

Oli­ver Hof­mann: Dar­um haben wir bereits 2017 damit begon­nen, alle Mit­ar­bei­ten­den im Bereich Digi­tal Skills zu schu­len und sie für die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on fit zu machen. So berei­ten wir die gan­ze Orga­ni­sa­ti­on gezielt vor und brin­gen allen Betei­lig­ten näher, was unser Ziel bedeu­tet und wie sie und unse­re Kun­den davon pro­fi­tie­ren wer­den.

San­dro Princi­pe: “The Gol­den Cir­cle Model”. Why – how – what. Wie­so tun wir es, wie tun wir es und was tun wir.

Oli­ver Hof­mann: In ande­ren Berei­chen sind wir dem Markt viel­leicht sogar vor­aus. Wir bie­ten ja als Erste an, das Miet­zins­de­pot in der Block­chain zu depo­nie­ren. Zusam­men mit dem IT-Unter­neh­men inac­ta und Swiss Prime Site gehen wir neue Wege. So neu, dass es noch nicht abseh­bar ist, ob und wie die­se sehr moder­ne, effi­zi­en­te und siche­re Metho­de Fuss fas­sen wird. Doch auch das gehört zu unse­rer Aus­rich­tung als Digi­tal Master. Inno­va­tio­nen wagen und vor­aus­ge­hen.

Bis 2020 wol­len San­dro Princi­pe und Oli­ver Hof­mann mit Win­ca­sa «Digi­tal Master» in ihrer Bran­che sein.

Digi­ta­le Tech­no­lo­gi­en sich­ten, prü­fen und ein­füh­ren. Klingt ein­fach.
San­dro Princi­pe: Ja. Ist es aber nicht.

Oli­ver Hof­mann: Des­halb gehen wir es auch mit die­ser Kon­se­quenz an. Wir wis­sen, dass die Zukunft noch wei­te­re Ver­än­de­run­gen brin­gen wird. Auf die wol­len wir nicht nur vor­be­rei­tet sein, wir wol­len die­se Ver­än­de­run­gen auch zu einem guten Teil selbst anstos­sen!

San­dro Princi­pe: Den­ken Sie nur ein­mal an die Infor­ma­tio­nen, die uns bereits heu­te als Markt­füh­rer zur Ver­fü­gung ste­hen. Wir haben aktu­ell etwa 200 000 Mie­ter, die wir betreu­en. Rund 235 000 Miet­ob­jek­te, vom Ein­zel­park­platz bis zum Shop­ping­cen­ter. Wer weiss bes­ser über den Schwei­zer Markt Bescheid als wir? Und das wer­den wir zukünf­tig noch bes­ser ana­ly­sie­ren und für unse­re Kun­den nut­zen. Nicht nur um bes­ser zu wer­den, vor allem auch um neue Ser­vices und Mehr­wer­te für Mie­ter und Immo­bi­li­en­be­sit­zer ent­wickeln zu kön­nen.

Eine App statt per­sön­li­cher Bera­tung?
San­dro Princi­pe: In gewis­sen Belan­gen macht das sehr viel Sinn! Die Zukunft sieht doch so aus, dass wir ganz vie­le Aspek­te der Kun­den­in­ter­ak­ti­on mit intel­li­gen­ter Auto­ma­ti­sie­rung bequem und kosten­gün­stig abwickeln kön­nen – mit Vor­tei­len für alle Betei­lig­ten. Wei­ter haben wir Ende 2017 unser Custo­mer Value Cen­ter lan­ciert. Ein hoch­mo­der­nes Kun­den­ser­vice-Cen­ter, das bis Ende 2018 70 Pro­zent aller Anfra­gen direkt erle­di­gen soll. Neben der Auto­ma­ti­sie­rung einer gros­sen Anzahl von gän­gi­gen Inter­ak­tio­nen bie­ten uns neue Tools dann aber auch die Basis und die Zeit, die wirk­lich wich­ti­gen Bera­tun­gen und Ser­vices auf einem noch höhe­ren Niveau anzu­bie­ten.

Der Weg auf Kun­den­sei­te ist gezeich­net. Wie gehen Sie intern vor?
Oli­ver Hof­mann: Auch hier ver­su­chen wir, neue Wege zu gehen. Wir haben kom­plett auf agi­les Pro­jekt­ma­nage­ment umge­stellt. Bei die­ser Orga­ni­sa­ti­ons­form arbei­ten die Teams in soge­nann­ten 3-Wochen-Sprints und orga­ni­sie­ren sich selbst. Das ent­la­stet die Geschäfts­lei­tung, die wie­der­um ihre Pro­jek­te in 3-Jah­res-Zyklen plant und umsetzt.

San­dro Princi­pe: Wir arbei­ten mit ver­schie­de­nen Metho­den. Dazu gehö­ren auch Brain Stor­ming Rooms und Kai­zen Boards. Bald wer­den wir auch anfan­gen, unse­re Pro­jek­te und Inno­va­tio­nen inten­si­ver zu kom­mu­ni­zie­ren. Künf­tig wer­den Redak­ti­ons­sit­zun­gen mit Ver­ant­wort­li­chen aus allen Geschäfts­be­rei­chen statt­fin­den, an denen die­se über ihre Pro­jek­te berich­ten. Auch das ist ein Aus­druck der neu­en Kul­tur. Die inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­la­gert sich zudem schon jetzt immer mehr auf unser im Herbst 2017 ein­ge­führ­tes Soci­al Intra­net mit digi­ta­lem Work­place; eine inter­ne sozia­le Platt­form, wel­che die Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on hori­zon­tal und ver­ti­kal för­dert und auf der sich die Mit­ar­bei­ten­den aktiv ein­brin­gen kön­nen.

Oli­ver Hof­mann: Als lei­den­schaft­li­cher Ten­nis­spie­ler weiss ich eines: Ohne Lei­den­schaft bringt man es auf dem Platz nicht weit. Aber ohne Tech­nik­trai­ning und Kon­di­ti­on auch nicht. Die Pas­si­on für die Trans­for­ma­ti­on ver­su­chen wir im Manage­ment jeden Tag vor­zu­le­ben. Nur so kann sie gelin­gen. Tech­nik­trai­ning bekom­men die Mit­ar­bei­ten­den von inter­nen und exter­nen Part­nern. Jetzt brau­chen wir nur noch die Kon­di­ti­on und das Durch­hal­te­ver­mö­gen und wir wer­den unser Ziel bis 2020 gemein­sam errei­chen!