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5. Dezem­ber 2018

Alle Augen auf das Ziel

Um das Zwei-Grad-Ziel der UNO zu errei­chen, müs­sen stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen fun­diert getrof­fen wer­den. Swiss Prime Site ent­wickelt Model­le, die bei der lang­fri­sti­gen Pla­nung und Stra­te­gie­ent­wick­lung ent­schei­den­de Bei­trä­ge lei­sten.

Was kann ein Unter­neh­men wie Swiss Prime Site tun, um die inter­na­tio­na­le Kli­ma­po­li­tik zu unter­stüt­zen und das auch von der Schweiz rati­fi­zier­te 2-Grad-Ziel der UNO zu errei­chen? Mit die­ser Fra­ge wird sich die Grup­pen­ge­sell­schaft Win­ca­sa in den näch­sten Wochen, Mona­ten und Jah­ren beschäf­ti­gen. Drei Exper­ten aus den Berei­chen Nach­hal­tig­keit, Daten und Stra­te­gie geben beim Kick-off des Pro­zes­ses Aus­kunft dar­über, wie die näch­sten Schrit­te zu effi­zi­en­te­rem Kli­ma­schutz aus­se­hen kön­nen.

Mitt­woch­mor­gen, kurz vor neun bei Win­ca­sa in Zürich. Mar­tin Pfen­nin­ger, Lei­ter Pro­jekt­ma­nage­ment und Nach­hal­tig­keit, betritt als Erster den Brain­stor­ming-Room. Hier soll – zwi­schen Schau­kel, White­board und Legofi­gu­ren – eine zen­tra­le Fra­ge in Sachen Nach­hal­tig­keit dis­ku­tiert wer­den: Wel­chen Bei­trag kön­nen Swiss Prime Site und Win­ca­sa lei­sten, um der Ener­gie­stra­te­gie 2050 sowie der damit ver­bun­de­nen CO2-Reduk­ti­on Rech­nung zu tra­gen und damit das inter­na­tio­nal ver­ein­bar­te 2-Grad-Ziel zu errei­chen? Etwa ein Vier­tel der Schwei­zer CO2-Emis­sio­nen wer­den im Immo­bi­li­en­sek­tor ver­ur­sacht. Das heisst, gera­de die­ser Wirt­schafts­zweig hat mit dem Bau­en und Betrei­ben von Lie­gen­schaf­ten einen gros­sen Ein­fluss aufs Kli­ma. Des­sen ist sich Swiss Prime Site bewusst und hat Pfen­nin­ger beauf­tragt, alle der­zei­ti­gen und zukünf­ti­gen Mass­nah­men zur Reduk­ti­on und zum Aus­stoss von CO2 zu quan­ti­fi­zie­ren und anhand eines Absenk­pfa­des zu visua­li­sie­ren.

Eine anspruchs­vol­le Auf­ga­be, für die sich der Exper­te Unter­stüt­zung hol­te – von Reto Camenzind, Lei­ter Data Sci­ence und Ser­dar Oen­el, Pro­jekt­lei­ter Rese­arch und Stra­te­gy. Das heu­ti­ge Kick-off-Mee­ting soll einen Grund­stein legen. Gemein­sam will man sich dem The­ma annä­hern. Im Lau­fe der kom­men­den Wochen und Mona­te soll ein Aus­blick hin­sicht­lich der CO2-Emis­sio­nen im Port­fo­lio von Swiss Prime Site erar­bei­tet und damit ein wich­ti­ger Bei­trag zum näch­sten Nach­hal­tig­keits­be­richt des Unter­neh­mens gelie­fert wer­den.

Mar­tin Pfen­nin­ger, Reto Camenzind, Jan Rüegg und Ser­dar Oen­el (v.l.n.r.)

Vom Rück­blick zum Aus­blick
Der Nach­hal­tig­keits­be­richt von Swiss Prime Site hat das Pro­jekt nicht nur initi­iert, son­dern stellt mit den publi­zier­ten Daten, Initia­ti­ven und Zie­len auch die Grund­la­ge für die Ent­wick­lung und Visua­li­sie­rung des CO2-Absenk­pfa­des bereit. So wur­den alle öko­lo­gi­schen Wer­te bereits trans­pa­rent über die ver­gan­ge­nen Jah­re abge­bil­det und Mass­nah­men wie die Anleh­nung an das 2-Grad-Ziel fest­ge­hal­ten. Das Pro­jekt EC/BO, wel­ches 2012 star­te­te, brach­te hin­sicht­lich Ener­gie­ver­brauch und Treib­haus­emis­sio­nen nicht nur Trans­pa­renz ins Immo­bi­li­en­port­fo­lio, son­dern auch eine gute Aus­gangs­ba­sis für Pfen­nin­ger und sein Team. Mit den gleich­zei­tig lan­cier­ten Betriebs­op­ti­mie­run­gen konn­ten erste Ein­spa­run­gen umge­setzt und im bis­her publi­zier­ten Absenk­pfad visua­li­siert wer­den. Mit dem Update des Fahr­plans sol­len nun alle künf­ti­gen Initia­ti­ven und Anstren­gun­gen quan­ti­fi­ziert und anschau­lich gemacht wer­den. Swiss Prime Site wagt also einen Blick in die Zukunft – und zwar nicht nur für die näch­sten zehn Jah­re, son­dern wei­ter dar­über hin­aus.

Das Ziel: Ein Instru­ment zu schaf­fen, das dem Manage­ment als Ent­schei­dungs­grund­la­ge die­nen kann. Denn alle zukünf­ti­gen Mass­nah­men sol­len ver­mehrt nach Aspek­ten der öko­lo­gi­schen Nach­hal­tig­keit getrof­fen wer­den. Doch wo anfan­gen, bei einem Vor­ha­ben die­ser Dimen­si­on? Hier gilt es, kon­kret zu wer­den und prak­ti­sche Schrit­te zu defi­nie­ren.

«Gene­rell wird mit Instand­hal­tungs- und Unter­halts­plä­nen für die näch­sten zehn Jah­re gear­bei­tet. Der Ziel­pfad für das 2-Grad-Ziel geht aber weit dar­über hin­aus.»

Des­halb sit­zen heu­te drei Exper­ten zusam­men, die sich mit Nach­hal­tig­keit, Daten und Ent­wick­lung aus­ken­nen. Know-how, das essen­ti­ell ist, um sich dem The­ma nicht nur zu nähern, son­dern auch eine kon­kre­te Lösung zu ent­wickeln. «In einem ersten Schritt geht es dar­um, das aktu­el­le Port­fo­lio abzu­bil­den und zu visua­li­sie­ren, inwie­weit man sich auf dem Ziel­pfad befin­det und wel­che geplan­ten Mass­nah­men wel­chen Impact haben», erklärt Pfen­nin­ger. Die zen­tra­len Stell­schrau­ben für die Beein­flus­sung der Treib­haus­emis­sio­nen eines Gebäu­des lie­gen in drei Berei­chen: der Opti­mie­rung, der Effi­zi­enz­stei­ge­rung und der Sub­sti­tu­ti­on fos­si­ler Ener­gie­trä­ger. Erstes erreicht man zum Bei­spiel durch das Anpas­sen der Regel­pa­ra­me­ter der haus­tech­ni­schen Anla­gen. Im Rah­men von Sanie­run­gen wäh­rend des Lebens­zy­klus eines Gebäu­des lässt sich die Effi­zi­enz stei­gern. Und mit dem Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gie wie Was­ser­kraft, kön­nen fos­si­le Ener­gie­trä­ger ersetzt wer­den. «Eine gros­se Her­aus­for­de­rung stellt die zeit­li­che Per­spek­ti­ve dar», so Pfen­nin­ger. «Gene­rell wird mit Instand­hal­tungs- und Unter­halts­plä­nen für die näch­sten zehn Jah­re gear­bei­tet. Der Ziel­pfad für das 2-Grad-Ziel geht aber weit dar­über hin­aus. Wäh­rend die näch­sten zehn Jah­re für jedes ein­zel­ne Objekt rela­tiv genau abge­schätzt wer­den kön­nen, sind die nach­fol­gen­den Jah­re nicht defi­niert.» Win­ca­sa muss also mit Annah­men über Lebens­dau­er und -zyklen von Bau­tei­len und Lie­gen­schaf­ten arbei­ten. Ein Bei­spiel: Ist für eine Lie­gen­schaft in den näch­sten zehn Jah­ren kei­ne umfas­sen­de Sanie­rung vor­ge­se­hen, muss ein zukünf­ti­ger Zeit­punkt für eine Erneue­rung ange­nom­men wer­den. Doch wel­cher ener­ge­ti­sche Stan­dard wird für die Sanie­rung pro­gno­sti­ziert? Die­se Ent­schei­dung wirkt sich natür­lich auf die nach­fol­gen­de Berech­nung des Ener­gie­ver­brauchs und der damit ver­bun­de­nen CO2-Emis­sio­nen aus. Ähn­lich ver­hält es sich bei einem Ersatz der Wär­me­er­zeu­gung. Wann ist die­ser in Zukunft fäl­lig? Und von wel­cher Erzeu­gung (Gas, Wär­me­pum­pe etc.) geht man aus? Vie­les ist unklar. Nur eines ist allen am Tisch bewusst: Je wei­ter man in die Zukunft schaut, desto unge­nau­er wird die Pro­gno­se.

«Die zen­tra­len Stell­schrau­ben für die Beein­flus­sung der Treib­haus­emis­sio­nen eines Gebäu­des lie­gen in drei Berei­chen: der Opti­mie­rung, der Effi­zi­enz­stei­ge­rung und der Sub­sti­tu­ti­on fos­si­ler Ener­gie­trä­ger.»

Die Kur­ve krie­gen
Eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung liegt in der Visua­li­sie­rung selbst. Um eine Aus­sa­ge für das Immo­bi­li­en­port­fo­lio von Swiss Prime Site machen zu kön­nen, müs­sen die Mass­nah­men auf Objekt­ebe­ne defi­niert und auf der Zeit­ach­se fixiert wer­den. Mar­tin Pfen­nin­ger brei­tet eine Gra­fik auf dem Bespre­chungs­tisch aus: «Mir schwebt ein Dia­gramm als Über­blick der ein­zel­nen Objek­te vor, das auf der X-Ach­se die spe­zi­fi­sche Ener­gie­kenn­zahl kWh pro m2 der Lie­gen­schaf­ten und auf der Y-Ach­se die kor­re­spon­die­ren­den CO2-Äqui­va­len­te pro m2 abbil­det. Mit der Bla­sen­grös­se kann zusätz­lich der abso­lu­te CO2-Aus­stoss oder die Flä­che der Lie­gen­schaft ver­an­schau­licht wer­den.» Ein zwei­tes Dia­gramm mit dem CO2-Absenk­pfad nimmt das gan­ze Port­fo­lio in den Blick. Auf der X-Ach­se wird die Zeit­schie­ne und auf der Y-Ach­se der CO2-Aus­stoss des Port­fo­li­os dar­ge­stellt. Die 2-Grad-Absenk­kur­ve liegt im Hin­ter­grund und gibt das Ziel vor: Im weit in der Zukunft lie­gen­den Jahr 2100 steht der CO2-Aus­stoss bei null. Wenn die Nach­hal­tig­keits­mass­nah­men wir­ken, nähert sich die Swiss Prime Site-Kur­ve der 2-Grad-Kur­ve an.

Simu­la­tio­nen wie die­se sind extrem aus­sa­ge­kräf­tig – auf Ebe­ne des Gesamt­port­fo­li­os wie auch für die ein­zel­nen Lie­gen­schaf­ten. Vor­aus­ge­setzt, man hat einen quan­ti­ta­tiv und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Daten­satz. Alles dreht sich um die Güte der Daten. Und die gilt es zu defi­nie­ren und zusam­men­zu­tra­gen. Pfen­nin­ger und sein Team wol­len jetzt ein­fach mal anfan­gen. Los­le­gen und gemein­sam das The­ma erar­bei­ten. Denn auch das ist klar: Swiss Prime Site befin­det sich hier mit Win­ca­sa in einer Pio­nier­rol­le. Es gibt kei­ne Blau­pau­se, kei­nen Best Prac­tice, an dem man sich ori­en­tie­ren könn­te. Ende des Jah­res will man zei­gen kön­nen, wie das Port­fo­lio gegen­über dem 2-Grad Ziel steht. Die Erwar­tun­gen sind gross – min­de­stens genau­so gross wie die Auf­ga­be selbst.