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6. Dezem­ber 2017

Leben im Alter: Vom Wald­rand ins Zen­trum

Gros­se demo­gra­fi­sche Ver­än­de­run­gen schaf­fen einen Zukunfts­markt. Die Ter­tia­num Grup­pe ent­wickelt moder­ne Kon­zep­te für das Woh­nen und Leben im Alter und bie­tet die­se bereits heu­te an. Zum Bei­spiel im Ter­tia­num Buben­holz in Opfikon.

Es ist noch nicht so lan­ge her, da waren Pfle­ge­hei­me eher tri­ste Gebäu­de, die von den Gemein­den irgend­wo­hin gebaut wur­den. Mit Vor­lie­be an den Wald­rand. Dort leb­ten die Senio­ren etwas aus­ser­halb des Dor­fes, medi­zi­nisch gut ver­sorgt. Die heu­ti­gen Ansprü­che an Leben im Alter sind ganz ande­re.

Wel­che Lösun­gen und Ange­bo­te die Bedürf­nis­se best­mög­lich befrie­di­gen und wohin die Ent­wick­lung geht, erzählt Dani­el Wid­mer, Geschäfts­füh­rer des Wohn- und Pfle­ge­zen­trums Ter­tia­num Buben­holz in Opfikon ZH, im Inter­view. Er rea­li­siert eines der modern­sten Kon­zep­te für wür­de­vol­les Leben im Alter – und führt damit sei­ne Grup­pe und viel­leicht eine gan­ze Bran­che in die Zukunft.

Herr Wid­mer, wohin geht die Ent­wick­lung im Bereich Leben im Alter?
Ganz ein­fach: zurück zum Men­schen.

Es sind also kei­ne tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen oder gar Revo­lu­tio­nen, wel­che die Bran­che prä­gen?
Nein, ganz und gar nicht. Schau­en Sie sich ger­ne um. Hier im Ter­tia­num Buben­holz in Opfikon leben in rund 59 Woh­nun­gen und 43 Pfle­ge­zim­mern 120 Gäste. Das Ent­schei­den­de ist: Sie leben hier. Wir sind weder ein Spi­tal noch ein Hotel, in das man für eine bestimm­te Zeit zieht und dabei Kom­pro­mis­se ein­geht. Unse­re Gäste kom­men zu uns, um hier zu woh­nen. Und sie brin­gen ihr Leben mit. Ihre Gewohn­hei­ten, ihre Vor­lie­ben, ihr Umfeld … Wie wenn sie in eine gewöhn­li­che Woh­nung in einer Mehr­fa­mi­li­en­haus-Sied­lung zie­hen wür­den.

Geht es also im Ter­tia­num-Wohn- und Pfle­ge­zen­trum nicht gewöhn­lich zu und her?
Doch, wie immer mög­lich. Im Opti­mal­fall zieht bei uns jemand ein und nutzt unser Ange­bot als kom­for­ta­ble Woh­nung. Ab 1750 Fran­ken im Monat kann man bei uns eine gemüt­li­che Blei­be mie­ten. Also ein ganz nor­ma­les Ange­bot auf dem Markt, nur mit rie­si­gen Vor­tei­len.

Wel­che sind die­se?
Unser Haus steht mit­ten im Dorf. Die Lage ist also per­fekt, um wei­ter wie bis­her zu leben. Ein­kau­fen, kochen, Freun­de besu­chen, Besuch emp­fan­gen. Nur wur­de schon beim Bau­en auf die Bedürf­nis­se älte­rer Men­schen geach­tet: Bar­rie­re­frei­heit, ergo­no­mi­sche Ein­rich­tun­gen, Wasch­ma­schi­ne und Trock­ner nicht im Kel­ler, son­dern in der eige­nen Woh­nung. So kön­nen sich unse­re Gäste sehr lan­ge völ­lig selbst­stän­dig ver­sor­gen. Hin­zu kommt die Sicher­heit. Falls doch mal unse­re Hil­fe benö­tigt wird, ist näm­lich sofort jemand zur Stel­le. An sie­ben Tagen. Rund um die Uhr.

Das bie­tet die klas­si­sche Spitex-Lösung doch auch.
Nicht wirk­lich. Unse­re Fle­xi­bi­li­tät ist grös­ser. Braucht jemand Hil­fe im Haus­halt oder bei der Pfle­ge eines Part­ners, ist das zum Bei­spiel nicht immer genau zwi­schen 15.30 Uhr und 17 Uhr der Fall. Und was pas­siert, wenn ich um 22 Uhr stür­ze? Oder wenn es mir um 9.20 Uhr unwohl wird? Der gröss­te Unter­schied liegt in der Selbst­be­stim­mung. Wenn ein Gast bei uns ein­zieht, garan­tie­ren wir ihm, dass er lebens­lang bei uns blei­ben darf. Begin­nend mit hof­fent­lich lan­gen Jah­ren selbst­stän­di­gen Haus­hal­tens in einer kom­for­ta­blen Woh­nung. Spä­ter mit lang­sam nach Bedarf dazu­kom­men­den Lei­stun­gen bis hin zu einer eigent­li­chen Pfle­ge­si­tua­ti­on. In unse­rem Haus haben wir zudem eine Akut­ab­tei­lung. So kön­nen Paa­re zusam­men am sel­ben Ort woh­nen blei­ben, auch wenn es einem Part­ner mal eine Zeit lang schlech­ter geht. Das schät­zen die mei­sten sehr.

Sie sag­ten, die Ent­wick­lung gehe in Rich­tung Mensch.
Abso­lut. Die Leit­wer­te sind Selbst­be­stim­mung, Selbst­stän­dig­keit, Wür­de und Respekt. Sie prä­gen in unse­rem Unter­neh­men alle Ent­schei­dun­gen.

Ist das heut­zu­ta­ge nicht über­all so, wo Men­schen gehegt und gepflegt wer­den?
Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch, natür­lich man­gelt es den Men­schen im Pfle­ge­be­reich nicht an Respekt vor ihren Gästen. Aber das bis­he­ri­ge System respek­tiert den Men­schen nicht opti­mal. Es engt ihn ein, lässt ihm wenig Wahl.

«Auf­grund der Zuge­hö­rig­keit zu Ter­tia­num kön­nen wir unse­re Lei­stun­gen zu Prei­sen anbie­ten, zu denen sie die Gemein­de selbst wohl kaum erbrin­gen könn­te.»

Es geht also um Wahl­mög­lich­kei­ten?
Selbst­be­stim­mung ist ein zen­tra­ler Aspekt von Wür­de und damit Lebens­qua­li­tät. Heu­te kön­nen vie­le älte­re Per­so­nen sie zu wenig wahr­neh­men: Wenn sie gesund­heit­li­che Ein­schrän­kun­gen erle­ben, haben sie nur die Wahl, in der eige­nen Woh­nung zu blei­ben oder in ein Alters­heim zu gehen. Weil vie­le Zwei­te­res nicht möch­ten, blei­ben sie zu Hau­se und las­sen sich dort pfle­gen. Nach einem Zwi­schen­fall und einem Auf­ent­halt im Akut­spi­tal wird dann ent­schie­den: «Sie gehen jetzt ins Pfle­ge­heim!» Dort haben sie dann einen mehr oder weni­ger star­ren Tages­ab­lauf. Sie wer­den zum Bei­spiel immer um 7 Uhr geweckt, unab­hän­gig davon, ob sie schon um 4 Uhr oder erst um 10 Uhr auf­ste­hen möch­ten. So ein All­tag ent­spricht nicht den Wün­schen von Men­schen im drit­ten Lebens­ab­schnitt.

Indi­vi­du­el­len Ser­vice bie­tet Ter­tia­num ja schon seit Lan­gem an. Was hat sich ver­än­dert?
Ter­tia­num betrieb frü­her vor­wie­gend hoch­prei­si­ge Alters­re­si­den­zen für hohe Ansprü­che. Da kam schon mal der Pia­nist am Diens­tag­nach­mit­tag, und zum Mit­tag­essen erschien man in Anzug und Kra­wat­te. Dage­gen haben wir hier in Opfikon heu­te eine Public Pri­va­te Part­nership mit der Gemein­de. Wir sind nicht nur den Pfle­ge­stan­dards, son­dern auch der Effi­zi­enz ver­pflich­tet und rech­nen betriebs­wirt­schaft­lich. Auf­grund der Zuge­hö­rig­keit zu Ter­tia­num kön­nen wir unse­re Lei­stun­gen zu Prei­sen anbie­ten, zu denen sie die Gemein­de selbst wohl kaum erbrin­gen könn­te. Dank unse­rer Grös­se haben wir vie­le Ska­len­ef­fek­te: Von der Rei­ni­gung über die Ver­pfle­gung bis hin zur Haus­tech­nik pro­fi­tie­ren wir davon, dass wir über 76 Wohn- und Pfle­ge­zen­tren betrei­ben, nicht nur eine oder zwei.

Ser­vice hat sei­nen Preis …
Natür­lich haben vie­le Din­ge ihren Preis. Die Lage am See, schö­ne und hoch­wer­ti­ge Ein­rich­tun­gen und so wei­ter. Aber die wah­re Lebens­qua­li­tät nicht unbe­dingt. Des­halb hat­te man bei Ter­tia­num die Idee, einen ande­ren Weg zu gehen. Kein Down­gra­ding des bestehen­den Ange­bots, son­dern ein neu­es Kon­zept, qua­si auf einem weis­sen Blatt Papier ent­wor­fen. Das erste Haus, in dem man das umge­setzt hat, ist unse­res. Bei uns ste­hen die Selbst­be­stim­mung und die kon­se­quen­te Aus­rich­tung auf die Gäste im Zen­trum. Sie haben die Mög­lich­keit, auch nur eine Woh­nung zu mie­ten und Lei­stun­gen dann zu bean­spru­chen, wenn sie die­se wirk­lich wol­len und brau­chen. Auch in der Aus­bil­dung der Mit­ar­bei­ten­den ste­hen die Wer­te Selbst­be­stim­mung und Respekt an vor­der­ster Stel­le, von Anfang an. Die Umset­zung erfolgt dann im Hin­blick auf ein Gesamt­ko­sten­ni­veau, das für alle trag­bar ist. Wür­de darf kei­ne Fra­ge von Wohl­stand sein.

«Wir brau­chen Kon­zep­te, wie wir den Men­schen gerecht wer­den, die in zehn, zwan­zig Jah­ren unse­re Gäste sein wer­den»

Wie wer­den die Erkennt­nis­se wei­ter­ver­wen­det?
Es gibt einen gros­sen Trans­fer unse­res Know-how in jede Rich­tung. Zum einen flies­sen unse­re Erkennt­nis­se in die Pro­jek­tie­rung neu­er Ter­tia­num-Objek­te und in die stän­di­ge Ver­bes­se­rung bestehen­der Ange­bo­te ein, auch in die unse­rer eige­nen, denn wir sind noch nicht am Ziel. Und dann gibt es noch den Trans­fer aus der Grup­pe hin­aus. Wir bekom­men öfter Besuch von Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus der nahen und fer­nen Umge­bung.

Wie geht es wei­ter? Wel­che Her­aus­for­de­run­gen ste­hen als Näch­stes an?
Heu­te kom­men wir dem zuneh­men­den Bedürf­nis nach Indi­vi­dua­li­tät und Selbst­be­stim­mung ent­ge­gen. Da sind wir der Bran­che fünf, sechs Jah­re vor­aus. Doch wir beschäf­ti­gen uns gedank­lich auch schon stark mit ande­ren Strö­mun­gen, wel­che auf die Alters­pfle­ge zukom­men. Zum Bei­spiel mit Alters­an­ge­bo­ten für Men­schen aus ande­ren Kul­tur­krei­sen, die nach der Pen­sio­nie­rung nicht zurück in ihre alte Hei­mat gehen, wie es bis vor Kur­zem noch sehr oft der Fall war. Wir haben zwar über­ge­ord­ne­te Instru­men­te wie Pfle­ge­plä­ne und gesetz­li­che Rege­lun­gen, doch die­se wer­den uns nicht gross wei­ter­hel­fen. Wir brau­chen Kon­zep­te, wie wir den Men­schen gerecht wer­den, die heu­te mit­ten im Leben ste­hen und in zehn, zwan­zig Jah­ren unse­re Gäste sein wer­den. Oder hät­ten Sie vor zehn Jah­ren gedacht, dass wir im gan­zen Haus WLAN instal­lie­ren müs­sen, weil ein guter Teil unse­rer Gäste ihre Geld­ge­schäf­te online erle­di­gen will?