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20. Sep­tem­ber 2018

Mit Herz und See­le Jel­mo­lia­ner

Jel­mo­li ist nicht nur in Sachen Retail ein gewich­ti­ger Play­er. Um die opti­ma­le Beleuch­tung und Küh­lung zu gewähr­lei­sten, hat das Haus eine eige­ne Tra­fo­sta­ti­on. Moder­ne Tech­no­lo­gi­en bie­ten dar­über hin­aus vie­le Mög­lich­kei­ten zur stän­di­gen Opti­mie­rung.

Seit über einem vier­tel Jahr­hun­dert lei­tet Mor­ten Jen­sen das Faci­li­ty Manage­ment im Jel­mo­li. Mit ihm wagen wir uns in das Laby­rinth unter dem tra­di­ti­ons­rei­chen Haus und las­sen uns erklä­ren, was es braucht, um den Betrieb in einem Gebäu­de­kom­plex die­ser Grös­se auf­recht zu erhal­ten.

Jel­mo­li – The House of Brands in Zürich ist eine Insti­tu­ti­on. Hier kauft der Bank­lehr­ling sei­nen ersten Anzug, die wer­den­de Mut­ter ihre Baby­aus­stat­tung und der lei­den­schaft­li­che Hob­by­koch Deli­ka­tes­sen aus der gan­zen Welt. Von Hosen und Jacken über Bett­wä­sche und Wohn­ac­ces­soires bis zum Golf­schlä­ger gibt es auf sechs Eta­gen ein­fach alles und das seit bald mal zwei Jahr­hun­der­ten. Jel­mo­li fei­ert im Herbst 2018 den 185. Geburts­tag.

Doch was bedeu­tet es, eine sol­che Immo­bi­lie mit all sei­nen Fahr­stüh­len und Roll­trep­pen, der gan­zen Licht-, Kühl- und Heiz­tech­nik in Betrieb zu hal­ten? «Die mei­sten kön­nen sich das nicht vor­stel­len», meint der Lei­ter des Faci­li­ty Manage­ments Mor­ten Jen­sen. Damit wir es doch kön­nen – oder zumin­dest eine Ahnung von den Dimen­sio­nen bekom­men, führt er uns hin­ter die Kulis­sen. Oder genau­er: neun­ein­halb Meter unter die Erde.

Hier befin­den sich die Lebens­adern des Pre­mi­um Depart­ment Store. Zum einen: der Waren­fluss. Etwa 45 Lkws fah­ren täg­lich über die Ein­fahrt beim Löwen­platz auf die Lade­ram­pe. Sie brin­gen Klei­dung, Lebens­mit­tel, Elek­tro­nik und vie­les mehr. Sie ver­sor­gen das Haus mit dem, was es aus­macht: Pro­duk­ten. Frisch, modisch, hoch­wer­tig. Für den gröss­ten Teil die­ses Stroms geht es drei, vier oder fünf Eta­gen nach oben: zu den Kun­den. Der klei­ne­re Teil – wie Ver­packun­gen – bleibt unten und wird direkt recy­celt. «Wir tren­nen alles ganz peni­bel», erklärt Jen­sen, wäh­rend hin­ter ihm ein Mit­ar­bei­ter an der Pres­se Dosen zu fla­chen Schei­ben drückt. «Eigent­lich alles wie zu Hau­se, nur in ande­ren Dimen­sio­nen.»

Etwa 45 Lkws fah­ren täg­lich über die Ein­fahrt beim Löwen­platz auf die Lade­ram­pe.

Die zwei­te, weit kom­ple­xe­re Lebens­ader des Jel­mo­li ist der Ener­gie­fluss. Der Strom kommt haupt­säch­lich von aus­sen. Aber nicht nur. Als wäre Jel­mo­li eine klei­ne, in sich geschlos­se­ne Stadt, besitzt die Lie­gen­schaft eine eige­ne Tra­fo­sta­ti­on mit Hoch­span­nungs­an­schluss. «Die macht uns ein Stück weit unab­hän­gig», so Jen­sen. Und dann führt er uns in einen Raum vol­ler Hebel und Schal­ter. «Wenn Sie hier drücken, ist alles aus», sagt Mor­ten Jen­sen auf ein­mal. Roll­trep­pen, Lif­te, Beleuch­tung, die Küh­lung der Lebens­mit­tel – ja, ganz Jel­mo­li käme zum Erlie­gen. «Es wür­de eine Stun­de dau­ern, um den Betrieb wie­der eini­ger­mas­sen her­zu­stel­len,» schätzt der Tech­nik-Chef. Dabei hät­ten sei­ne elf Mit­ar­bei­ten­de alle Hän­de voll zu tun. Zum Glück han­delt es sich dabei nur um ein Gedan­ken­spiel, läuft der Betrieb doch seit vie­len Jahr­zehn­ten stö­rungs­frei.

Mit die­sem Wis­sen stei­gen wir nun in den Lift. «Der Fahr­stuhl hier ist das Näch­ste, was ersetzt wird», sagt Jen­sen und drückt den ober­sten Knopf. Es geht aufs Dach. Die­ses wur­de in den letz­ten andert­halb Jah­ren erneu­ert. Dafür muss­ten die Hybrid­küh­ler mit Gross­he­li­ko­ptern abtrans­por­tiert und wie­der her­bei­ge­flo­gen wer­den. Eine auf­wän­di­ge Ange­le­gen­heit. Aber nur eines von zahl­rei­chen Gross­pro­jek­ten, die Jen­sen intern koor­di­niert. Im Moment wer­den wei­te­re Tran­sit­lei­tun­gen gebaut. «Hei­zen und Küh­len spielt bei uns eine zen­tra­le Rol­le», erklärt er. «In der Damen­wä­sche muss es zum Bei­spiel wär­mer sein als bei den Her­ren. Aus­ser­dem müs­sen wir immer die Beleuch­tung berück­sich­ti­gen. Denn die sorgt eben­falls für Wär­me. Bis vor Kur­zem sogar so sehr, dass wir auch im Win­ter in eini­gen Berei­chen küh­len muss­ten.» Das ist inef­fi­zi­ent. Des­halb wur­den vor eini­gen Mona­ten 8 500 LED-Lam­pen instal­liert. Die­se sind spar­sam, lang­le­big und sen­ken den Strom­ver­brauch nach­hal­tig. So nach­hal­tig, dass das gesam­te Wär­me­ma­nage­ment neu auf­ge­stellt wer­den konn­te. Was gut für Jel­mo­li, das Geschäft und nicht zuletzt die Umwelt ist. Ein The­ma, das den Gross­teil der Umbau­ten inner­halb der Immo­bi­lie bestimmt. «Alle unse­re Reno­va­tio­nen sind wie Ope­ra­tio­nen am offe­nen Her­zen», beschreibt Jen­sen. «Der Betrieb im Jel­mo­li geht wei­ter. Das Ein­kaufs­er­leb­nis der Kun­den soll nicht getrübt wer­den.» Des­halb wur­de die Küh­lung im Win­ter moder­ni­siert.

«Auch wenn die Pen­sio­nie­rung lang­sam näher rückt, ich bin zum 200sten Jubi­lä­um von Jel­mo­li noch hier.»

Die Kom­ple­xi­tät der Auf­ga­ben macht sei­nen Job extrem span­nend, erklärt Jen­sen. «Ich bin mit Herz und See­le Jel­mo­lia­ner. Seit gut 25 Jah­ren küm­me­re ich mich dar­um, dass hier alles läuft. Lif­te, Roll­trep­pen, Hei­zung, Küh­lung – das hat man andern­orts kaum – zumin­dest nicht in die­sen Dimen­sio­nen. Ich kann mir nicht vor­stel­len, woan­ders zu arbei­ten. Nein. Auch wenn die Pen­sio­nie­rung lang­sam näher rückt, ich bin zum 200sten Jubi­lä­um von Jel­mo­li noch hier.»

Das glaubt man ihm sofort. Es gibt wohl kei­nen, der sich bes­ser aus­kennt in, auf und unter der Lie­gen­schaft. Dann führt er uns noch zum für ihn spe­zi­ell­sten Ort: sei­nem Muse­um. In einem meter­ho­hen Regal sam­melt Jen­sen alles, was bei Jel­mo­li eine Geschich­te hat. Ein klo­bi­ges Tele­fon aus der frü­he­ren Tele­fon­zen­tra­le, alte Han­dys und Pager und Dias aus Glas. Jen­sen liebt die Nost­al­gie und erzählt gern von frü­her: «Wis­sen Sie, in mei­nen Anfangs­jah­ren hier bei Jel­mo­li brauch­ten wir am Abend 20 Minu­ten, um alle Lich­ter zu löschen.» Heu­te unvor­stell­bar. Genau­so unvor­stell­bar, wie Jel­mo­li ohne sei­nen Tech­nik-Chef. Wir wer­den berich­ten. Spä­te­stens 2033 beim Rund­gang zum 200-jäh­ri­gen Jubi­lä­um mit Mor­ten Jen­sen.