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11. Okto­ber 2018

Strom­auf­wärts

Durch die Bün­de­lung des Strom­ein­kaufs beein­flusst Swiss Prime Site ihre Umwelt­bi­lanz aktiv. Seit die­sem Jahr wird kon­se­quent auf Was­ser­kraft gesetzt, was sich gleich­zei­tig posi­tiv auf die CO2-Bilanz wie auch auf die Ren­ta­bi­li­tät aus­wirkt.

Wer sich wie Swiss Prime Site der Nach­hal­tig­keit ver­pflich­tet, muss sich auch ganz kon­kret um die Umset­zung küm­mern. Zum Bei­spiel die Sen­kung des CO2-Aus­stos­ses. Des­halb setzt die Immo­bi­li­en­ent­wick­le­rin bei ihren Lie­gen­schaf­ten auf Ener­gie aus Schwei­zer und euro­päi­scher Was­ser­kraft. Die­se wird von den Nach­hal­tig­keits­spe­zia­li­sten der Grup­pen­ge­sell­schaft Win­ca­sa zen­tral über die Strom­bör­se beschafft. Doch wie funk­tio­niert das genau? Wie wird die Ver­sor­gung sicher­ge­stellt? Das und mehr erfah­ren wir bei einem Spa­zier­gang mit Roman Fehr, Pro­jekt­ma­na­ger Nach­hal­tig­keit bei Win­ca­sa.

Über Ener­gie spre­chen, das kann man nicht in einem Sit­zungs­zim­mer. Des­halb tref­fen wir Roman Fehr am Lim­mat­wehr Höngg. Hier, nur ein paar Minu­ten vom Prime Tower ent­fernt, prä­sen­tiert sich die Kraft des Was­sers sehr ein­drück­lich. Eine Kraft, die hier­zu­lan­de 60 Pro­zent zur Schwei­zer Strom­erzeu­gung bei­steu­ert. Auch euro­pa­weit ist Was­ser Spit­zen­rei­ter bei der Erzeu­gung von Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len. Ihr gros­ser Vor­teil ist, dass sie in Lauf­was­ser­wer­ken kon­stant Ener­gie erzeugt und damit den Basis­be­darf abdeckt. Wie hier im Kraft­werk Höngg. Aber auch zur Bereit­stel­lung von Reser­ve­lei­stung und Spit­zen­last ist Was­ser­kraft unver­zicht­bar. So sichert sie die Ver­sor­gung zuver­läs­sig und ist für die oft zitier­te Ener­gie­wen­de unver­zicht­bar.

Das sieht auch Swiss Prime Site so und setzt des­halb kon­se­quent auf Strom aus Schwei­zer und euro­päi­scher Was­ser­kraft. Bei allen Lie­gen­schaf­ten? «Das ist defi­ni­tiv das Ziel», so Fehr. «Der­zeit ver­sor­gen wir 59 Pro­zent der Swiss Prime Site-Immo­bi­li­en mit sau­be­rem Strom. Das heisst alle, bei denen dies mög­lich ist. Die rest­li­chen Lie­gen­schaf­ten sind von der Libe­ra­li­sie­rung des Strom­mark­tes noch aus­ge­schlos­sen, da sie weni­ger als 100MWh im Jahr ver­brau­chen. Die klei­ne­ren Mess­stel­len sind also nicht Teil des Port­fo­li­os, das wir zen­tral bewirt­schaf­ten. Zumin­dest noch nicht.» Dazu muss man wis­sen, dass der Strom­markt seit 2009 nur für Gross­ver­brau­cher geöff­net wur­de. Unter­des­sen kön­nen sie ihren Strom selbst ein­kau­fen. Die Dis­kus­si­on einer flä­chen­decken­den Libe­ra­li­sie­rung läuft. Dies wür­de den Hand­lungs­spiel­raum auch für Swiss Prime Site erwei­tern.

Euro­pa­weit ist Was­ser Spit­zen­rei­ter bei der Erzeu­gung von Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len.

Wir machen uns auf den Weg vom Wehr über die Wer­din­sel ent­lang der Lim­mat Rich­tung Kraft­werk. «Poo­ling» ist ein Begriff, der im Gespräch mit Fehr immer wie­der fällt. Damit ist der Beschaf­fungs­pool gemeint: alle Lie­gen­schaf­ten – und jeder ein­zel­ne Strom­zäh­ler – zusam­men­ge­nom­men, für die Win­ca­sa im Auf­trag von Swiss Prime Site Ener­gie am Markt beschafft. Das tut der Immo­bi­li­en­dienst­lei­ster nicht direkt, son­dern über Swenex, die Swiss Ener­gy Exchan­ge, einem unab­hän­gi­gen Ener­gie­dienst­lei­stungs­un­ter­neh­men, das den Markt per­ma­nent über­wacht und den Strom in Abstim­mung mit der Eigen­tü­mer­schaft und Win­ca­sa an der Strom­bör­se nach Bedarf ein­kauft. Struk­tu­rier­te Strom­be­schaf­fung – noch so ein Begriff, den Fehr häu­fig benutzt. «Das heisst im End­ef­fekt, dass wir schon heu­te den Strom für 2022 ein­kau­fen», erklärt Fehr. «Das lässt der Han­del zu. Wir kön­nen durch sol­che Ter­min­ge­schäf­te lang­fri­stig pla­nen und Risi­ken mini­mie­ren. Es funk­tio­niert wie ein Port­fo­lio moder­ner Finanz­pro­duk­te. Aktu­ell haben wir die Situa­ti­on, dass der Strom­preis steigt. Da ist es für uns natür­lich sinn­voll, früh­zei­tig ein­zu­kau­fen. Denn unse­re Men­gen sind nicht gera­de klein. Wir reden von Giga­watt­stun­den, die wir für unse­ren Pool beschaf­fen», so Fehr. Der Vor­teil liegt auf der Hand: Je mehr Strom ein­ge­kauft wird, desto bes­se­re Kon­di­tio­nen bekommt man. Men­gen­ra­batt – und das in Dimen­sio­nen, die sich ein pri­va­ter Ver­brau­cher kaum vor­stel­len kann.

Über­haupt ist das Kon­zept der «Struk­tu­rier­ten Strom­be­schaf­fung» für Lai­en schwer fass­bar. Schliess­lich kauft man jetzt etwas, das noch gar nicht pro­du­ziert ist. «Schluss­end­lich han­deln wir mit Papier», so Fehr. «Da funk­tio­niert die Strom­bör­se ganz ähn­lich wie die Finanz- oder klas­si­sche Waren­bör­sen. Mit der Eigen­tü­me­rin haben wir eine kla­re Stra­te­gie erar­bei­tet, die zum Bei­spiel besagt: Für 2018 wol­len wir bereits heu­te 90 Pro­zent Strom ein­kau­fen, für näch­stes Jahr 60 Pro­zent, für über­näch­stes Jahr 40 Pro­zent und so wei­ter. Die Stra­te­gie ist markt­ori­en­tiert. Wenn wir bei­spiels­wei­se beob­ach­ten, dass die Prei­se enorm stei­gen wer­den, dann kau­fen wir lie­ber frü­her etwas mehr Strom ein. Sol­che Ent­schei­de fäl­len wir aller­dings immer in Abspra­che mit Swenex. Sie sind die Exper­ten. Und sie wis­sen durch unse­re Inputs auch immer, wie hoch unser Bedarf an Strom ist, der beschafft wer­den muss. Am wich­tig­sten ist es, den Markt zu beob­ach­ten und zum rich­ti­gen Zeit­punkt ein­zu­kau­fen.» Den per­fek­ten Zeit­punkt kennt man natür­lich nur im Nach­hin­ein. Doch das best­mög­li­che Timing zu fin­den, das zeich­net eine opti­ma­le Ener­gie­be­schaf­fung aus. Was nicht heisst, dass die gesam­te Men­ge zu einem ein­zi­gen Zeit­punkt gekauft wird. Ziel ist es, das Risi­ko eines zu frü­hen oder zu spä­ten Kaufs zu ver­tei­len und damit klein zu hal­ten.

Über Ener­gie spre­chen, das kann man nicht in einem Sit­zungs­zim­mer. Des­halb tref­fen wir Roman Fehr am Lim­mat­wehr Höngg.

Doch wel­che Rol­le spielt dabei eigent­lich Win­ca­sa? «Wir ste­hen als Immo­bi­li­en­dienst­lei­ster zwi­schen Swiss Prime Site, der Eigen­tü­me­rin, unse­ren Bewirt­schaf­tern und dem Ener­gie­be­schaf­fer. Unse­re Auf­ga­be ist es, die Abläu­fe zu koor­di­nie­ren und bestehen­de Pro­zes­se zu opti­mie­ren.» Was abstrakt klingt, kann in der Pra­xis sehr kon­kret wer­den. Ein Bei­spiel ist die Abrech­nung. «Dar­auf waren unse­re Part­ner anfäng­lich über­haupt nicht vor­be­rei­tet», erzählt Fehr. «Für uns und die ver­ant­wort­li­chen Bewirt­schaf­ter der ein­zel­nen Lie­gen­schaf­ten war es wich­tig, dass auf den Rech­nun­gen der Ver­brauch und ande­re wich­ti­ge Posten auf­ge­li­stet sind. Sie soll­ten so daher­kom­men, dass man sie in einer Neben­ko­sten­ab­rech­nung plau­si­bel erklä­ren kann. Das war ein ziem­lich lan­ger Weg, der viel Koor­di­na­ti­on benö­tig­te. Schliess­lich muss­ten Abrech­nungs­pro­gram­me zum Teil an unse­re Bedürf­nis­se ange­passt wer­den. Auch dar­an spü­ren wir, dass wir in einer Pio­nier­rol­le sind – obwohl der Strom­markt schon fast zehn Jah­re libe­ra­li­siert ist. Letzt­end­lich haben wir eine Lösung gefun­den, die für alle stimmt.» Auch drei Jah­re nach Start der Zusam­men­ar­beit, wo sich die Pro­zes­se lang­sam ein­ge­spielt haben, gibt es für Fehr und das 3-köp­fi­ge Team jede Men­ge zu tun. Wir sind stän­dig dabei, die Abläu­fe wei­ter­zu­ent­wickeln und effi­zi­en­ter zu gestal­ten», so Fehr. Und dann gibt es noch die Spe­zi­al­fäl­le, die Fehr und sei­ne Kol­le­gen auf Trab hal­ten. So will zum Bei­spiel der Ver­kauf von Lie­gen­schaf­ten – und damit der Weg­fall eines Strom­zäh­lers im Beschaf­fungs­pool – orga­ni­siert wer­den.

Natür­lich wird es immer Unter­neh­men geben, die haut­säch­lich auf den Preis schau­en. Swiss Prime Site nimmt klar ihre Ver­ant­wor­tung wahr.

Das Kraft­werk ist erreicht. Ein oran­ge­far­be­nes Gebäu­de mit Tur­bi­ne und Treib­gut­re­chen. Wel­che Rol­le wird die Was­ser­kraft in Zukunft spie­len? Vor allem, wenn die Strom­prei­se wei­ter stei­gen? Wer­den nicht vie­le Unter­neh­men zu der noch preis­wer­te­ren Atom­ener­gie wech­seln? «Die Strom­prei­se stei­gen zur­zeit gene­rell», erklärt Fehr. «Das betrifft nicht nur den Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en, son­dern gilt auch für Atom­strom. Durch unser Tun kau­fen wir jedoch nun mas­siv gün­sti­ger ein als vor­her und haben dadurch einen Wett­be­werbs­vor­teil. Immer alles ins Extre­me zu opti­mie­ren und Umwelt­as­pek­te aus­zu­blen­den ent­spricht aber nicht unse­rer Stra­te­gie. Wir errei­chen auf einem rück­sichts­vol­len Weg eine gan­ze Men­ge. Natür­lich wird es immer Unter­neh­men geben, die haut­säch­lich auf den Preis schau­en. Swiss Prime Site nimmt klar ihre Ver­ant­wor­tung wahr. Ich ken­ne nicht vie­le Unter­neh­men, die so kon­se­quent auf Nach­hal­tig­keit set­zen und die bereit sind, dafür kurz­fri­stig mehr zu zah­len. Denn lang­fri­stig und nach­hal­tig zahlt sich eine sol­che Inve­sti­ti­on immer aus.»